Am Samstag, 11. April 2026 lud Spellbound zu einem weiteren Konzert in der Musigburg und da ich zum einen Nico Amara seit einiger Zeit zu meinem Freundeskreis zähle und daher auch sehr gerne an Ihren Auftritten supporte, war für mich schon früh gegeben dass ich da sicher hingehen werde. Ebenfalls bin ich von der Spellbound Truppe doch ziemlich begeistert, was da jeweils an Schmackerln in die Provinz geholt wird, und versuche möglichst viele Ihrer Konzerte mit meiner Anwesenheit zu ehren.
Knapp ein Jahr ist es nun her, dass ich das erste Mal mit Nico Amara (Nicole Fior-Greant), übrigens genau an dieser Stätte in Aarburg, persönlich in Verbindung getreten bin. Seither sind wir uns doch schon einige Male wieder über den Weg gelaufen und auch das Premiere-Konzert in Basel, damals als Support von Echoberyl, ein Konzert mit Wohnzimmeratmosphäre, im leider mittlerweile abgebrannten Quarterdeck, habe ich mitverfolgt. Dieses Konzert war toll, allerdings war die musikalische Abmischung bei Nicole doch etwas bescheiden, so dass Ihre Stimme kaum hörbar war, was ich doch sehr schade fand.
Diesmal natürlich in der Hoffnung, dass sich das nicht wiederholt, sehr gespannt auf die Darbietung.
Date at Midnight habe ich zwar vorher vom Namen her schon mal mitgeschnitten, wohl irgendwo auf Spotify, allerdings nicht in dem Masse, als dass ich nun gewusst hätte, auf was ich mich da einlasse. Ebenfalls habe ich mich vor dem Konzert nicht darum bemüht, da etwas daran zu ändern. Für mich war eh klar, dass ich in der Musigburg anwesend sein würde, ob mir nun dieses Konzert gefällt oder nicht, war mir letztendlich doch ziemlich egal.
Übrigens bin ich Konzertbesuche ja schon mehrfach absolut jungfräulich, was eine Bandbekanntschaft angeht, angegangen und wurde in den meisten Fällen positiv überrascht oder jedenfalls habe ich noch selten erlebt, dass ich da nach kurzer Zeit, mangels Gefallens, geflüchtet wäre.
So war ich nun auch an diesem Samstag sehr gespannt was mich da insgesamt erwarten würde.
Am Samstagabend fand ich mich kurz nach acht in der Musigburg ein und zwei Aspekte erstaunten mich dann doch etwas, denn ich war einer der Ersten, okay zugegeben, Türöffnung war um 20:00 Uhr, also kurz vor meinem Erscheinen, allerdings war das doch eher etwas ungewohnt. Das zweite war, dass zu diesem Zeitpunkt der Hauptact, wohl Problemen bei der Anreise geschuldet, noch mitten im Soundcheck steckte. Aber was solls, ich war da, die Künstler waren da, fehlte nur noch etwas Publikum.
Nun ganz leer sollte es nicht bleiben, aber für einen Samstagabend doch eher bescheiden, wohl einigen anderen Veranstaltungen und möglicherweise auch einem Konzert-Überdruss, eine Woche nach dem Schwarzen Ball geschuldet. Eigentlich schade, finde die Bands wie auch die Veranstalter hätten es durchaus verdient, dass da etwas zahlreicheres Publikum anwesend wäre.
NICO AMARA
Gefühlt etwas später als ursprünglich angekündigt, dies sowohl sicher dem späten Soundcheck von Date at Midnight, als möglicherweise auch etwas, der doch eher bescheidenen Gästezahl, geschuldet, wohl in der Hoffnung, dass sich da, mit etwas Verzögerung noch 2 bis 3 zusätzliche Nasen in die Musigburg verirren, betrat Nicole die Bühne. Diese ist zwar für eine Einzelkämpferin doch etwas gross, doch dank der schon aufgestellten Instrumente für den Hauptact, erschien diese nicht ganz so riesig und Nicole liess sich absolut nicht beirren und performte gekonnt los. Zugegeben, ab der Stilrichtung von Nico Amara waren wohl nicht ganz alle Zuschauer angetan, aber was solls, mir gefällts jedenfalls, wenn auch ich mich erst etwas daran "gewöhnen" musst, er lädt zwar nicht zu ausgeschweiftem Tanze, aber doch holen mich die Lieder wunderbar ab und lassen mich in eine andere Sphäre eintauchen, verträumt, in sich gekehrt, gefühlvoll einfach schön, es ist nicht Musik, welche einem einfach mitzieht, aber wenn man Nähe zulässt und den Klängen und dem wunderbar geflüsterten Sprechgesang folgt, öffnen sich neue, zuvor unbekannte Welten und so musste der Tonträger, welchen ich an Ihrem Debut Konzert erworben habe, schon des Öfteren hinhalten um mich in meinem stillen Kämmerlein etwas von den Tagesstrapazen herunterzuholen.
Auch am Samstag dauerte es gefühlt nicht lange, bis meine Seele, ab der Klänge abgeholt und in höhere Sphären, entführt wurde. Wunderbar abgespaced dem dargebotenen lauschend, war das Konzert gefühlt viel zu kurz, aber wohl auch bei doppelter Länge, wäre der Eindruck letztendlich ähnlich gewesen, dermassen eingetaucht oder besser abgetaucht, war ich. Ich feire Nicoles Kompositionen, zumal sie mir eine Stilrichtung schmackhaft machen, um welche ich bisher einen grossen Bogen, mit gezogenem Kruzifix gelaufen bin.
Ein wunderbares Konzert und sicher nicht das letzte Mal, dass ich Nico Amara Live erlebe, falls dann hoffentlich noch weitere Auftritte folgen, wer weiss vielleicht mal irgendwo in einer wunderbaren kleinen Gruft oder einem stylischen Gewölbekeller, der Ihrer Musik noch zusätzlich Ausdruck verleihen würde. Bin gespannt was da noch folgt und jederzeit gerne wieder dabei.
DATE AT MIDNIGHT
Nach einer kurzen Pause, welche ich wie gewohnt vor dem Lokal, im Gespräch mit Freunden, dem Nikotinlaster frönend verbracht habe, waren nun Date at Midnight an der Reihe.
Die vier Römer, Daniele De Angelis (Gesang), Pasquale Vico (Bass & Synthesizer), Francesco Mignogna (Schlagzeug) und Nuzio Bivano (Gitarre & Synthesizer) sind seit 2007 in der Dunkelheit unterwegs und sorgen nun bei mir doch grad für eine gewisse Fassungslosigkeit, in Form, dass mir die Band bisher nicht wirklich bekannt war, zumal sie sich dem Darkwave/Postpunk gespickt mit einer gehörigen Portion düsterner Melancholie verschrieben haben, was doch so ziemlich genau meinem Beuteschema entspricht. Aber ja, man kann ja schliesslich nicht alle Bands der Welt kennen, zumal die Auswahl doch ziemlich mannigfaltig ist.
Sogleich als die Band, während im Hintergrund ein Intro lief, auf die Bühne trat und insbesondre in dem Moment als Daniele seinen Platz eingenommen, war klar von wem sich die Band wohl Inspiration holte. Irgendwie hatte ich da ein de ja vue, wobei das gefühlt 40 Jahr zurück lag. Die Band erinnerte mich doch sehr stark an Sisters of Mercy in den 80-ern und insbesondere Daniele geht da glatt als Endrich Double durch. Auch die angeschlagenen Töne und Rhythmen versetzten mich auf einen Schlag in die Achtziger, wobei mir da noch einige weitere Bands, wie The Cure, Christian Death, Joy Division … die Aufzählung liesse sich wohl noch etwas fortsetzen, ins Gedächtnis gerufen wurden.
Was war da für wunderbarer Sound zu vernehmen und der Beat bearbeitete ab der ersten Sekunde meine Beinmuskulatur, so dass sich diese augenblicklich verselbständigte und doch ziemlich ausgiebig dem Tanze frönte. Gerne liess ich die restlichen Gliedmassen da mittun, respektive waren auch diese nicht wirklich kontrollierbar ab den sagenhaften Klängen, welche ab der Bühne zu vernehmen waren.
Die Band liess mich eine wunderbarste Retrospektive durchlaufen, wie ich dies in letzter Zeit nicht mehr erlebt hatte. Sie verstehen es absolut die vergessen geglaubte Epoche in die Gegenwart zu katapultieren, ohne dabei irgendwas Altes zu kopieren oder aufzuwärmen, die Songs fühlen sich frisch und passend an und zeigen mir, dass da noch ziemliches Potential in dem längst vergessenen liegt, dass mittels Klassikern versucht wird, an diversen Partys, nach wie vor aufleben zu lassen und bei den Urgruftis für ausgiebige Tanzlaune sorgt.
Ich bin absolut fasziniert, was die Band da abliefert und zunehmend transpirierend und auch die Sauerstoffaufnahme mutiert zur Lärmkulisse einer steil bergauffahrenden Dampflock, aber solange diese Band da auf der Bühne steht, ist ausgiebiges Tanzen angesagt und so meinem Workout für diesen Tag sicher zu 100% Rechnung getragen.
Auch wenn die Zuschauerschaft etwas zu wünschen übrigliess, vermochten die Anwesenden doch ordentlich Krach machen und so der Band ein absolut würdiges "Grazie" entgegenbringen. Dies insbesondere auch, als sich die Jungs vermeintlich verabschiedeten, was dem Publikum aber ziemlich missfiel und dieses sehr lautstark kundtat. Dies veranlasste die Band, nach einer kurzen Verschnaufpause, nochmals den Weg zur Bühne anzutreten, um den Publikumsapplaus mit einer Zugabe zu verdanken.
Nun ich muss auch in diesem Fall, wie schon bei Emmon wieder die Höchstnote vergeben, denn was die Jungs da zeigten, war klar Spitzenklasse, dies sowohl Klanglich als auch betreffend Bühnenpräsenz und musikalischem Handwerk. Gerne will ich das wieder mal erleben, wenn sich denn Gelegenheit dazu bietet! Die Band hat in mir einen absoluten Fan gefunden und ich bin gespannt, was da noch kommt.
Da nun bis vor diesem Konzert, die Band mir doch ziemlich unbekannt, war für mich klar, dass ich dem am reichhaltigen Merch Stand doch ausgiebig entgegenwirken musste, und so habe ich mich da mit dem verfügbaren Vinyl und Silberscheiben, man möchte das Ganze ja auch digital, sowie einem sehr coolen Shirt, passend eingedeckt, so dass mir die Band sicher in Erinnerung bleibt und ich auch Material habe, dies meinem Publikum in Zukunft kundzutun.
Was mich am Merch Stand dann auch zusätzlich freute war der Umstand, dass die Band trotz eher verhaltener Besucherzahl, doch ordentlich was abtreten, und so die wohl etwas mageren Einnahmen, entsprechend verdient, aufwerten konnte.
Dieser Abend zeigte ein weiteres Mal, dass es sich oftmals lohnt, eine Band, auch wenn man diese nicht kennt, Live zu erleben. Ich bin auf jeden Fall keine Sekunde reuig, mir da einen Platz gesichert zu haben, auch wenn dadurch ein paar Kröten in der Geldbörse den Besitzer wechselten, aber im Verhältnis zum gebotenen, war das absolut Nonsens, zumal ich bei anderen Bands schon bedeutend tiefer in die Taschen gegriffen habe und mit dem Erlebten um weiten weniger zufrieden war. Von daher werde ich sicher meiner Linie Treu bleiben und auch eher unbekannte Bands der Szene supporten und deren Konzerten beizuwohnen und freue mich schon auf noch so manches graues Küken, das sich dank Konzert zu einem prächtigen weissen Schwan formt.
Nun über die Musigburg hatte ich in meinen vorherigen Artikeln schon so einiges zu erzählen und so war auch immer etwas das klangliche Erlebnis, ein nicht allzu positiver Aspekt, welcher ich versucht habe, einigermassen diplomatisch als verbesserungswürdig zu umschreiben. Insbesondere bei zunehmender Besucherzahl, war in den vorderen Rängen der Bass in einem Übermass vertreten und die Hoch- und Mitteltöne schlimmstenfalls nur zu erahnen.
Diesen Umstand habe ich allerdings nicht nur an dieser Stelle erwähnt, sondern auch versucht vor Ort den involvierten Personen nahezubringen und anscheinend hat das gefruchtet, denn mir ist ab den ersten zu vernehmenden Tönen aufgefallen, dass da etwas anders ist. In der Mitte vorne stehend, okay waren nun nicht gerade die zuvor beschriebenen Massen anwesend, waren plötzlich die Mitten und Höhen präsent, wie ich das vorher nicht erlebt habe, selbst damals beim Soundcheck von 2nd Priority und Chrom, waren die nicht den Woofern zugeleiteten Töne weniger zu vernehmen als diesmal mit Publikum. Ein Blick zu den Traversen auf der Suche nach den Lautsprechern bestätigte dann auch mein Höhrerlebnis, so sind die Lautsprecher seit meinem letztmaligen Besuch jeweils ca. 2 Meter gegen die Mitte gewandert, was meiner Meinung nach den Klang in den vorderen Rängen in eine neue Dimension katapultierte und ich bin sehr gespannt, wie sich dies, wenn der Raum proppe-voll ist, auswirken wird. Ich bin mir aber schon jetzt sicher, dass ich in Zukunft dies betreffend bestimmt weniger in mimimi Stimmung versetzt werde.
An dieser Stelle ist vielleicht noch anzumerken, dass der Tontechniker noch nicht vollends überzeugt ab der neuen Konstellation ist, zumal dadurch, seiner Ansicht nach die Abmischung, bei einer grösseren Anzahl Mics, bedeutend schwieriger würde. Ich bin mir aber sicher, dass auch das zu schaffen ist, und dem klanglichen Erlebnis wohl untergeordnet werden kann. Jedenfalls an diesem Konzert, war tontechnisch absolut nichts auszusetzen und so macht die Musikburg noch grad zusätzlich Spass.
Ebenfalls war das Licht jederzeit stimmig und begleitete die Bands passend, was meiner Meinung nach auch mehr zum Erfolg eines Konzerts beiträgt als sich das viele bewusst sind.
Ein weiteres Mal ein grosses Dankeschön an die Musigburg Crew, an das Spellbound Team, an die Bands und an alle, die zum Gelingen dieses Abends beigetragen haben und gerne wieder.
Ebenfalls ein weiters Dankeschön an Dich, dass du bis hierhin durchgelesen hast und falls es gefallen hat, bis zum nächsten Mal!
Euer Schwarzspektrum

